//Part 3: Der Leiter//

Nun war es beinahe vollbracht. Über unzählige Jahre bildete er seine gemachten Menschen aus, und schon bald wäre es soweit. Natürlich musste er hin und wieder Rückschläge einstecken. Es gab teilweise schwächliche Produkte, teils geistig zurückgebliebene, doch im Großen und Ganzen hatte er alle Makel entfernt. Nur eine Sache hinderte ihn daran den Erfolg in seiner Gänze genießen zu können. Dieses Produkt, dass sich selbst Dubium nannte. Er hatte es vor einigen Tagen vernichten müssen, obwohl es das wahrscheinlich stärkste und intelligenteste von Allen gewesen war. Wer nicht hören will, muss fühlen.
Er durfte sich nicht von einer solchen Kleinigkeit zurückwerfen lassen. Schon bald konnte man die ersten gemachten Menschen auf die reale Welt los lassen und sein Imperium würde sich erheben. Ich bin kein Wahnsinniger, ich bin ein Visionär. Zerstörung wird zur Regeneration benötigt. Und die Menschheit braucht Regeneration. Sie führen Kriege gegeneinander, sie bestehlen einander, sie verraten Ihresgleichen. Das alles würde ein Ende haben. Er fuhr mit seiner Hand über den Buchrücken seines selbstverfassten Werkes „Man braucht Zerstörung für Regeneration“. Dort hatte er nicht nur alle Dogmen sorgfältig aufgeschrieben, sondern auch jegliche anderen Dinge, die für ein Produkt von Bedeutung waren. Es war das einzige Buch, das sie zu lesen befugt waren. Andere Bücher gab es sowieso nicht im metallenen Zuhause. Er setzte sich auf und strich seine, sich von den anderen abhebende, rote Robe glatt und machte sich auf den Weg zur Begutachtung. Als die gemachten Menschen in der großen Halle vor ihm aufgereiht standen, war er mit Stolz erfüllt. Sie waren makellos. Mit schwarzer Haut überzogen, teils herausstehende Knochen, mit Muskeln bepackt und leeren Gesichtern. Eine so gewaltige Kraft schlummerte in ihnen, dass er froh war vollends Herr über ihren Willen zu sein. Und falls doch einmal jegliche Maßnahmen fehlschlagen sollten, hatte man Mann und Frau, von Beginn des Lebens an, voneinander abhängig gemacht. Es war unmöglich für einen gemachten Menschen sich davor entziehen. Der Leiter grinste, verborgen vor den Blicken seiner Produkte, das Gesicht hinter der roten, mit dem Logo der Firma verzierten Maske und erfreute sich des Anblicks.
Er rief mit geschwellter Brust:

Durch Zerstörung erwächst Kraft, ohne Zerstörung keine Regeneration

Und fügte an: „Was benötigt man also um sich zu verbessern?“
Seine Produkte brüllten wie aus einem Mund: „Zerstörung!“
Als er zufrieden von seinem Podest hinabstieg sah er bereits aus dem Augenwinkel Jemanden, in einer schwarzen Robe mit von oben nach unten verlaufenen roten Streifen, die Blut ähneln sollten, herbeieilen. Der zweitoberste Leiter, keuchend als hätte er eine weite Strecke in höchstem Tempo zurückgelegt, stand nun vor ihm und sprach nach Luft ringend: „Er hat es überlebt! Er hat es überlebt! Oh, Leiter. Er hat es überlebt!“ Die Miene des Leiters verfinsterte sich schlagartig, er wusste genau von wem der Zweite sprach. Der einzige Makel hatte es also überlebt. Mit zusammengebissenen Zähnen presste er hervor: „Findet ihn!“ und fügte hinzu „Dieses Mal tötet ihr ihn, habt ihr mich verstanden?“ „Ja, oh Herr.“ antwortete der Zweite kleinlaut und huschte davon.
Der Makel muss ausgemerzt werden.

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