//Part 7: Das Finale//

Sie liefen, mit verzweifelter Überzeugung erfüllt, den Berg hinab. Obwohl der beinah unvermeidbare Tod die Beiden am Ende des Weges erwarten würde, mussten sie ungewollt lachen.
Wie ein Derwisch wirbelte Dubium durch die Reihen der gemachten Menschen und fällte erbarmungslos einen Gegner nach dem anderen. Die rar gesäten Augenblicke des Verschnaufens nutzte er um sich nach Vera umzusehen. Er konnte sie in einigen Metern Entfernung erspähen, wie sie mit Hilfe ihrer Gaben Massen an Gegnern ins Reich der Toten beförderte. Zwar wirkte das Rezitieren ihrer Zauber auf den ersten Blick mühelos, doch zu seinem Bestürzen musste er bei genauerem Betrachten ihre angestrengte Atmung und unsicheren Stand feststellen. Beunruhigt merkte er, dass seine Arme ebenfalls schwerer wurden und er konnte nicht verhindern einige heftige Treffer einstecken zu müssen. Gestärkt durch den Willen die einzigen Wesen, die ihm etwas bedeuteten, zu schützen, mobilisierte er noch einmal all seine Kräfte und massakrierte wie in einem Wahn unzählige Gegner mit verheerenden Auswirkungen. Der Schweiß rann in Sturzbächen über seinen Körper, die Muskeln waren zum bersten angespannt, Luft wurde in die schmerzenden Lungen gepresst und wieder ausgestoßen. Deckung! – Schlag! – Deckung! Mit der Zeit jedoch vernachlässigte er seine antrainierten Kampftechniken und drosch stupide mit rücksichtsloser Gewalt in die Menge. Für jeden gefällten Krieger jedoch, rückten zwei Weitere nach. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit lichteten sich allmählich die Reihen der Gegner und die übrig gebliebenen Produkte scharrten sich um den Leiter.
„Nun denn, Makel!“,
brüllte der Leiter mit unnatürlich lauter Stimme über das halbe Schlachtfeld: „Wie ich sehe hast du dich mit meiner Schwester zusammengetan!“
Mit seiner Schwester?!
Vorsichtig drehte sich Dubium zu ihr um. Das Blut der erledigten Kämpfer klebte ihr am ganzen Körper und ihre Robe war beinahe vollends zerrissen. Sie schien auf den ersten Blick unverletzt.
Er schaute zurück zum Leiter und rief voller Zuversicht: „Ich werde jeden Einzelnen, den du schickst, besiegen!“, er machte eine bedeutungsvolle Pause: „Und am Ende wirst auch du fallen.“
Ein teuflisches, nicht von dieser Welt zu stammen scheinendes Lachen erklang hinter der eisernen Maske: „Das werden wir ja sehen.“, er gestikulierte wild mit den Händen: „Du magst einen geringfügig freieren Willen, als die anderen Produkte zu besitzen, aber eine Sache..“ er hob den Finger und kreischte nun beinahe: „…wird auf ewig dein Innerstes Verlangen kontrollieren!“
In pures Licht gehüllt trat eine, Dubium unbekannte, junge Frau durch den Torbogen auf das mit Leichenteilen übersäte Schlachtfeld. Ein nicht verdrängbares Jucken erfüllte seinen Körper. Sie war das fehlende Teil seines Geistes, sie war das liebliche Gegenstück zu seinem kriegerischem Dasein. Sie war…perfekt.
„Hallo Dubium“, erklang ihre engelsgleiche Stimme: „Magst du mich, Dubium?“
Sein Körper gehorchte nicht mehr seinen Befehlen, er konnte sich nicht bewegen, er wollte schreien, wollte um sich schlagen. Stattdessen starrte er sie reglos an. Mit grazilen Schritten kam sie langsam näher und streichelte sein Gesicht. Unvermittelt schlug sie zu und traf ihn mit voller Wucht. Benommen stürzte er zu Boden, stand wieder auf und starrte sie weiterhin an. Er konnte sich nicht entziehen, er wollte es, aber er konnte es nicht. Sie schlug erneut zu. Er spürte den brennenden Schmerz. Doch war es nicht der Schmerz verursacht durch die Schläge, es war ein Schmerz tief in seinem Innersten. Sie war es nicht, an die er gebunden sein wollte. Er wollte Vera!
Mit einem markerschütterndem Schrei befreite er sich aus seiner Stasis und zerschmetterte die junge Frau, die ihn vorher noch so eingenommen hatte, mit einem einzigen Schlag in hunderte Einzelteile. Sofort schwenkte sein Blick hinüber zu Vera und sie lächelten sich in wortlosem Verständnis an. Plötzlich wurden sie durch die Schreie des Leiters aus dem Moment gerissen. Dieser streckte seine Arme gen Himmel, grelle Blitze schlugen ein und mit wachsender Geschwindigkeit krochen die Leichenteile der erledigten Krieger zu seinem Körper und vereinigten sich zu einem riesigen Golem aus Fleisch:“NOCH HAST DU MICH NICHT BESIEGT, MAKEL!“ Der riesige Fleischgolem wuchs bedrohlich in die Höhe und überragte einen normalen Menschen schließlich um mehrere Baumlängen. Einzelne, abgetrennte Hände hingen aus dem fleischigen Körper und die Köpfe der besiegten Produkte erwachten erneut zum Leben.
„Sieh nur!“ rief Vera und deutete in Richtung Drache, der ebenfalls im Begriff war sich zu verwandeln. Sein Blick war auf Dubium gerichtet:“Mit dem Überwinden der Ketten deines Willens, sind meine Ketten ebenso gelöst.“
Während er sprach wuchs er ebenfalls auf eine übermenschliche Größe und ließ den Fleischkoloss schon bald klein erscheinen.
„Ich werde dir die Freiheit ermöglichen!“
Mit ohrenbetäubenden Gebrüll raste er auf den Koloss zu und packte ihn beinahe mühelos mit seinen Krallen. Das Schlagen der Flügel verursachte orkanartige Böen und Dubium, mehr torkelnd als rennend, begab sich zu Vera und schützte sie mit seinen letzten Kräften.
Drache flog mit dem Koloss in die Lüfte und hüllte ihn in ein Inferno von grünem Feuer.
„NEIN!“,schrie dieser dem Tod nahe: „DAS KANN NICHT SEIN, NEIN!“
Und Drache grollte über das Feld, hörbar noch in weiter Ferne: „Manchmal muss etwas zerstört werden, damit andere regenerieren können.“

ENDE

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