Griechischer Wein

Anmerkung: Diese Geschichte besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil der Geschichte war vorgegeben und wurde von mir mit dem zweiten Teil beendet.

Es begann sehr verheißungsvoll. Vor einigen Tagen bekam ich die Nachricht, in einem Preisausschreiben den ersten Platz gewonnen zu haben, obwohl ich mich nicht daran erinnern konnte überhaupt an einem solchen Ausschreiben teilgenommen zu haben. Wie auch immer, einem geschenkten Gaul schaut man dem Sprichwort nach nicht ins Maul, und eine Gratisreise nach Kreta hörte sich sehr schön an.

So packte ich also meine Sachen und machte mich mit einem Kumpel, die Reise war für zwei Personen, nach Düsseldorf, um vom Flughafen nach Heraklion zu fliegen. Dort angekommen, wurde es allmählich dunkel, denn die Abenddämmerung brach herein. Nachdem wir unser Gepäck von der Baggage-Claim abgeholt hatten, bemerkte ich auch schon eine hagere Gestalt, der ein Schild mit meinem Namen nach oben hielt. Ich gab mich zu erkennen und er bat uns, ihm zu folgen. Er führte uns zu einem Mercedes Vito mit getönten Scheiben…wir fühlten uns wie V.I.P.s. Wir wurden ein wenig müde, dennoch versuchte mein Kumpel, unseren Chauffeur zum Reden zu bewegen, doch dieser schwieg und erweckte den Anschein, sein Gesicht zu verbergen. Er fuhr und fuhr. Wir blickten aus dem Fenster und vernahmen, uns von den bunten Lichtern der Stadt zu verabschieden. Die Landschaft wurde einsamer, die Straße holprig. „Ist es noch weit“, fragte ich unseren Fahrer, doch dieser schwieg. Nach einer halben Stunde schienen wir am Ziel zu sein, doch uns erwartete nicht ein Luxushotel, so wie ich es erhofft hatte – ich hätte gerne zu Abend gegessen und ein heißes Bad genossen – sondern ein altes Landhaus, das etwas verfallen schien und nur notdürftig beleuchtet war. Mein Kumpel scherzte über den Veranstalter, bei dem ich diese Reise gewonnen hatte und dessen Namen, wie ich zugeben musste, zuvor noch niemals gehört hatte. Der Wagen stoppte, der Fahrer lud unser Gepäck aus und ehe wir noch etwas sagen konnten, fuhr er davon. Dunkelheit.

Wir befanden uns etwa einen Kilometer abseits von der Hauptstraße und konnten das Rauschen des Meeres sowie Grillengezirpe vernehmen. „Naja“, schmunzelte ich, „jedenfalls ist der Strand nicht weit entfernt.“ Mit erwartungsvollen Schritten näherten wir uns dem Landhaus und klingelten. Schritte näherten sich, bis eine alte Frau mit finsterem Gesicht öffnete. Erkennen konnte man einen Tresen, der tatsächlich darauf hindeutete, dass es sich bei diesem Haus um eine Pension handelte. Ohne viel zu sprechen, führte uns die Frau die Treppe hinaus zu unserem Zimmer. Viel schien hier nicht los zu sein, denn abgesehen vom Rauschen des Meeres herrschte Stille. In unserem Zimmer angekommen, erwartete uns ein Willkommenströpfchen in Form einer Flasche Wein. Wir tranken einen Schluck und inspizierten das anliegende Badezimmer. Etwas eklig sah der alte Duschvorhang schon aus, dennoch beschloss ich, mich zu duschen. Nach etwa zehn Minuten kehrte ich zurück in unser Zimmer…es stand leer, der Wein ausgetrunken. Ich rief den Namen meines Kumpels. Keine Antwort. Nichts…

Part 2:
Mich überkam ein ungutes Gefühl. Hatte diese linke Schlange sich ernsthaft erdreistet den gesamten Wein alleine auszutrinken?!
Wütend stapfte ich die knarzenden Stufen hinab ins Foyer. An der Decke flackerte eine alte Lampe und tauchte den kleinen Eingangsbereich in dämmriges Licht. Die allgegenwärtigen Schatten schienen einen bedrohlichen Tanz zu vollführen. Langsam wurde mir die Situation doch unheimlich. Vorsichtig wollte ich den Namen meines Kumpels rufen, doch brachte nur ein gehauchtes Flüstern hervor. Lediglich das Meer antwortete mit seinem beständigen, fast schon beruhigendem Rauschen. Mein unbewusst verkrampfter Körper entspannte sich ein wenig und ich drehte mich wieder in Richtung der Treppe. Dann sah ich es..

Da stand in blutrot, unauffällig und beinahe friedlich die Antwort auf all meine Probleme: eine randvoll gefüllte Flasche Rotwein!

Grinsend entkorkte ich die Flasche mit meinen Zähnen und genehmigte mir einen großen Schluck des rettenden Elixiers. Aus dem Nichts zerschnitt ein undefinierbares Geräusch die Stille, sodass ich mich verschluckte. Hustend schossen mir die Tränen in die Augen und mit verschwommenem Blick suchte ich verzweifelt die Umgebung nach dem Ursprung des Geräuschs ab – erfolglos. Mit Unbehagen wurde mir klar, dass es von außerhalb gekommen sein musste. Mit zittrigen Händen strich die Gardinen zur Seite und starrte in die Dunkelheit. Ob es mir gefiel oder nicht, ich musste nachsehen. Während ich mir selbst Mut zusprach, legte ich die Hand auf die rostige Klinke. „Du schaffst das, ganz ruhig..“. Viel zu laut knarrte die alte Tür und mir lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Wie ein Schlag ins Gesicht fühlte sich der peitschende Wind an. Eigenartig für eine solche Insel.. Ich schob den Gedanken beiseite und konzentrierte mich auf meine Umgebung. Als ich meine Atmung unter Kontrolle bringen konnte, bemerkte ich etwas in meinem Augenwinkel. Eine in Schatten gehüllte Gestalt hockte seltsam verrenkt mitten im Feld vor der Pension. Die Dunkelheit hinderte meine Augen daran mehr zu erkennen und ich tapste unbeholfen durch das Gestrüpp. „Ist das etwa..?“ Das zuvor vernommene Geräusch ertönte erneut und zerstob meine Gedankengänge. Dieses Mal konnte ich es zuordnen: mein Kumpel kackte doch ernsthaft vor das Hotel!

Er grinste mich leidend an und sagte: „Sorry, Mann! Der Wein war nicht gut für meinen Magen!“ Erleichtert fiel der Stress von mir ab und ich lachte lauthals los. Plötzlich wurde mir bewusst, was sich in meiner Hand befand: die Flasche Rotwein. Mein Magen ertönte in panischen Qualen und der Schweiß sammelte sich auf meiner Haut.

Erschrocken riss ich die Augen auf. „Was zur..?“ Klitschnass war ich in meinem heimischen Bett erwacht, doch ich ahnte bereits Böses..Unbeholfen stieß ich das Weinglas von letzter Nacht um und hob langsam die Decke an. Meine Augen weiteten sich bei dem Anblick, der sich mir bot: ein Flyer mit dem einprägsamen Slogan: Alkohol? Kenn dein Limit!

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