Reichtum

Ein großes Haus, inklusive Pool und Gartenanlage. Die entsprechenden Bediensteten für Instandhaltung des Anwesens, oder auch zur Belustigung, oder zur Erleichterung des Lebens. Sebastian konnte sich im Grunde über seine Situation nicht beschweren.

Ein Lehmblock mit einem per Hand gegrabenen Eingang und Stroh als Schutz vor Regen. Weder fließend Wasser, noch Elektrizität, von Bediensteten kann keine Rede sein. Rob konnte froh sein, wenn am folgenden Tag seine Behausung den Wetterverhältnissen standgehalten hatte.

Als Sebastian den gepflasterten Weg Richtung Pool schlenderte, die Markenbadeshorts übergestreift und RayBan Brille gegen die Sonne in sein Gesicht zog, erschrak er beim Anblick des Beckens. Auf der Oberfläche verteilt lagen Massen an Blättern, Stöcken und andersartigem Gestrüpp. Er verschluckte sich beinahe an seinem edlen Tröpfchen, und selbst beim Abendessen konnte er den Anblick nicht aus dem Gedächtnis verdrängen.

Als Rob nach einem kräftezehrenden Tag auf der Jagd zu seinem kleinen Heim zurückkehrte, sich schon auf das Mahl freuend, welches er eigenhändig gefangen hatte, drehte sich sein Magen um. Sein einziger Freund, der Mischlingshund, der ihm eines Tages zugelaufen war und der seither an seiner Seite weilte, lag mit herausquellenden Gedärmen, vermutlich von Wölfen aufgeschlitzt, vor dem Eingang seiner Hütte.

Nach dem schrecklichen Anblick des vorherigen Tages, freute sich Sebastian auf entspannte Unterhaltung mit Hilfe des Internets. Er setzte sich in seinen speziell für ihn hergestellten Ledersessel, entzündete den Kamin per Klick auf die Fernbedienung und veranlasste mit derselbigen das Hochfahren seines Highend Computergeräts. Aber statt in den Weiten des World Wide Webs surfen zu können, zeigte ihm der Bildschirm eine niederschmetternde Fehlermeldung. Nun saß er zwar in einem von Luxus überströmenden Haus, doch erst der verschmutzte Pool und jetzt auch noch fehlendes Internet. Womit er dieses Schicksal nur verdient hatte, fragte er sich resigniert.

Nach dem Tod seines Freundes blieb Rob nicht viel Zeit um zu trauern. Er hatte nicht einmal die Möglichkeit ihn würdig zu begraben. Stattdessen durchsuchte er sein bisschen Hab und Gut und fischte eine Packung Streichhölzer heraus. Beim inspizieren der Schachtel offenbarte sich das letzte Streichholz. Er musste von nun an auf Feuer und Wärme verzichten, doch sein Freund verbrannte und alles was blieb war Asche. Zusätzlich zum Mord an seinem Freund, kam nun also die fehlende Wärme. Er kauerte sich in seine Lehmhütte und kuschelte sich in seine lumpengeflickte Decke.

Einige Tage später erreichte ihn die Horrormeldung. Sein gesamtes Geld, sowie ersparte Vermögenswerte, waren verschwunden. Er war ein Opfer, von Krisen und Betrügereien geworden. So gut wie nichts von seinen Millionen war übrig geblieben. Das Leben schien ihn auf die Probe stellen zu wollen. Er zog in ein einfaches Einfamilienhaus und musste sich mit der Platincard des Wellnesschwimmbades an der Ecke zufrieden geben. Nicht einmal Bedienstete, die ihm Frühstück zubereiten würden, hatte er noch. Er hatte alles verloren, was sein Leben lebenswert gemacht hatte.

Einige Tage später kehrte er nach einem langen Tag der Arbeitssuche zurück zu seiner Hütte, fand jedoch nur noch Trümmer des einstigen Heims vor. Seinen Hund hatte er verloren, Wärme hatte er verloren, Wasser und Elektrizität hatte er nie besessen. Ein Haufen Dreck war alles, was ihm im Leben geblieben war. Alles was das Leben lebenswert gemacht hatte war verschwunden.

Des Lebens müde, brachte er sich um.

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