Studentenleben

Durch das Kitzeln der Sonnenstrahlen erwachte Milo aus seinem tiefen Schlummer. Der Tag wäre für die Meisten bereits in vollem Gange, für ihn jedoch begann er, wie üblich, frühestens zur Mittagszeit. Sein Körper schmerzte von letzter, bewegungsreicher Nacht und der Kater bereitete ihm heftige Kopfschmerzen. Mit einem animalischen Gähnen raffte er sich auf und schlenderte als ersten Akt des Tages zur wiederbelebenden Oase frischen Wassers. Er trank so gierig, dass ihm Teile der Flüssigkeit das Gesicht hinunterliefen.

Er rieb sich gerade mehr oder weniger den Schlaf aus den Augen, als er durch das sich öffnende Schloss der Haustüre unterbrochen wurde. In seiner Magengegend breitete sich eine wohlige Wärme aus, während er unbeholfen zum Ursprung des Geräusches torkelte. Es kam ihm bereits wie eine halbe Ewigkeit vor, seine Mitbewohnerin das letzte Mal erblickt zu haben, und er konnte seine Freude nur mäßig zügeln. Sie umarmte ihn herzlich und vielleicht sogar einen Moment zu lange, sodass er sich beinahe sicher war: Sie musste ihn schon gewaltig mögen.

Nach dem mittäglichen Frühstück, das er wie ein Tier verschlang, verließen sie die gemeinsame Wohnung und machten sich auf den Weg in den Park. Joggen. Milo war zwar weniger von der Idee überzeugt, fügte sich letztendlich aber ohne große Gegenwehr. Die frische Luft, der strahlende Sonnenschein und die verschiedenen Eindrücke der Umwelt waren eine willkommene Ablenkung von dem elenden Kater. Zusätzlich genoss er jede freie Minute, die er mit der tollsten Mitbewohnerin aller Zeiten verbringen durfte.

Peinlicherweise zollten die Unmengen an Wasser, die er zuvor getrunken hatte, allmählich Tribut und er musste sich unterwegs an einem Baum erleichtern. Zum Glück nahm seine Mitbewohnerin kaum Notiz davon und lief gentlewomanlike einige Meter voraus. Gerade als er seine Blase vollständig entleert hatte, sah er aus der Ferne eine Schönheit, die Ihresgleichen suchte. Eine enorme Ausstrahlung, gepaart mit einer grazilen Eleganz, verpackt in einer atemberaubenden Hülle. Die Triebe hämmerten in seinem Kopf und wäre er nicht durch die Rufe der Mitbewohnerin aus seiner erregten Trance gerissen worden, hätte er sich vermutlich nicht zurückhalten können.

Vollkommen ausgepowert zurück in der gewohnten Umgebung des trauten Heims ließ er sich auf sein Bett fallen und hielt, wie beinahe täglich, erst einmal sein erholsames Mittagsschläfchen. Als er seine müden Augen wieder öffnete erblickte er bereits das Flackerns des Fernsehapparates und trottete, sich unsicher in welcher Zeitzone momentan befindend, in das Wohnzimmer und platzierte sich neben seine Mitbewohnerin. Ganz zu seiner Zufriedenheit lief sogar seine Lieblingssendung: Irgendetwas. In dieser Hinsicht war er ziemlich unkompliziert, solange etwas lief, um seine Langeweile zu mildern, war er zufrieden. Leider wurde die entspannte Zweisamkeit durch das Rumoren seines Magens unterbrochen. Dem Frühstück ein neues Zuhause gebend, befreite er es aus seinen Eingeweiden und wurde anschließend, vermutlich des massiven Gestanks wegen, von seiner Mitbewohnerin auf das Übelste ausgeschimpft. Seinen haselnussbraunen Augen nicht widerstehen könnend, ließ sie ihn sich kurze Zeit später jedoch schon wieder an sie kuscheln.

Da er weder in der Lage war sich auch nur das simpelste Gericht zu kochen, noch im Besitz eines akzeptierten Geldmittels war, setzte er nun die eben genannten Augen ein, um sich eine milde Gabe seiner Mitbewohnerin erschnorren zu können. Bevor diese aber auch nur auf ihn aufmerksam werden konnte, bemerkte er ein Huschen am Fenster. Seine Muskeln spannten sich und sein fixierter Körper glich dem eines Raubtieres bei der Jagd. Langsam und vorsichtig näherte er sich und suchte gehetzt , jedoch mit fokussiertem Blick, die Straße nach Gefahren ab.

Als er endlich diesen gottverdammten Kater erspähte, übernahmen seine nicht zu beherrschenden Instinkte. Ihm entwich ein stakkatoartiges Bellen, welches den Unhold schlussendlich in die dunkle Nacht vertrieb. Zufrieden mit seiner heutigen Produktivität glitt er zwar erschöpft, doch glücklich in das Reich der Träume, nur um sich am nächsten Tag erneut mit dem alltäglichen Kater herumschlagen zu müssen.

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